Welches sind derzeit die neuen Covid-19-Hotspots in der Schweiz?

Während der ersten und zweiten Welle wiesen die schweizerisch-französischen Kantone die höchste Zahl an Coronavirus-Infektionen auf. Doch nun verschiebt sich der Trend und die News. In der ersten Novemberhälfte hatte Genf mit knapp 2’800 Fällen pro 100’000 Einwohner die höchste Zahl an Infektionen pro Kopf in Europa.

Sechs weitere französischsprachige Kantone gehörten ebenfalls zu den europäischen Regionen mit der höchsten Zahl von Kontaminationen pro Kopf: Das Wallis lag auf dem zweiten Platz, Freiburg auf dem vierten, der Jura auf dem fünften, die Waadt auf dem siebten und Neuenburg auf dem neunten. Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlichten Daten zeigen, dass die Genfer Rate derzeit bei 588 pro 100 000 Personen liegt, was unter dem nationalen Durchschnitt dieser Woche von 597 Fällen pro 100 000 Personen liegt.

Auch in den meisten anderen französischen Kantonen liegen die Zahlen inzwischen unter diesem Durchschnitt. Nur im Kanton Waadt gibt es noch 628 Infektionen pro 100’000. “Die französischsprachigen Kantone sind nicht mehr die Dummköpfe der Schweiz, was die Verbreitung des Coronavirus betrifft”, schrieb die Zeitung Le Matin am Freitag.

Im deutschsprachigen Raum hingegen war die Infektionsrate anfänglich viel niedriger, was die Schweizer dazu veranlasste, einen neuen Ausdruck zu prägen: ‘Coronagraben’ (‘Koronascheide’), um die unterschiedliche epidemiologische Situation in den französisch- und deutschsprachigen Kantonen zu beschreiben. Nun hat sich aber der Trend der Infektionen verschoben, wobei die schweizerisch-deutschen Kantone, zusammen mit dem Tessin, über dem nationalen Durchschnitt liegen.

Zum Beispiel hat St. Gallen 790 Fälle / 100.000 Einwohner, Basel-Stadt 656, Schaffhausen 638, Basel-Landschaft 635, Appenzell Ausserrhoden (629) und Aargau (608). Die höchsten Fallzahlen werden im Tessin mit 848 Infektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Der Grund für diese Verschiebung liegt darin, dass jede französischsprachige Region eine Reihe von Restriktionen eingeführt hatte, um die alarmierende Zunahme von Infektionen und Spitalaufenthalten einzudämmen.

Die Massnahmen gingen über die auf nationaler Ebene vorgeschriebenen hinaus und umfassten die Schliessung von Bars und Restaurants sowie aller Unterhaltungs- und Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater, Fitnesszentren, Schwimmbäder und Sportanlagen. In Genf gingen die Beschränkungen sogar noch weiter und erstreckten sich bis zur Schließung aller nicht wesentlichen Geschäfte und Betriebe.

In der Zwischenzeit führten die deutsch-schweizerischen Kantone nur die auf Bundesebene erforderlichen Maßnahmen durch, erlaubten aber, dass ihre Restaurants, Bars und anderen Veranstaltungsorte geöffnet bleiben durften. Gesundheitsminister Alain Berset sagte am Donnerstag, dass der im November verzeichnete Rückgang der Zahlen hauptsächlich auf die französischsprachigen Kantone zurückzuführen sei, und forderte die deutschen Sprachregionen auf, “ihre Rolle zu spielen”, um weitere Kontaminationen einzudämmen.

Er wies auch darauf hin, dass nach einer “guten Entwicklung”, als sich die Zahl der neuen Fälle alle zwei Wochen halbierte, die Zahlen “auf einem hohen Niveau von 4000 bis 5000 Fällen pro Tag stagnieren”, und nannte diese Entwicklung “sehr besorgniserregend”.